Finanzierung als ausländischer Käufer, ob du im Ausland lebst oder schon in Deutschland lebst und arbeitest
Es gibt zwei Arten ausländischer Käufer, und sie haben zwei verschiedene Wege zur deutschen Baufinanzierung. Weg A ist für dich, wenn du im Ausland lebst und verdienst und in Berlin kaufen möchtest. Weg B ist für dich, wenn du schon in Deutschland lebst und arbeitest, aber keinen deutschen Pass hast.
Weg A: Du lebst im Ausland
Worauf die Bank schaut, bevor sie Ja oder Nein sagt
Die erste Frage ist nicht, welchen Zins du bekommst. Sie lautet, ob eine deutsche Bank dich überhaupt als Kreditnehmer annimmt. Das hängt an fünf Punkten.
-
Einkommen. Die Bank will regelmäßiges, nachweisbares und sicheres Einkommen sehen. Als Angestellter: die letzten drei Gehaltsabrechnungen und deinen Arbeitsvertrag. Als Selbstständiger: die letzten zwei bis drei Jahresabschlüsse oder Steuerbescheide. Einkommen aus dem Ausland zählt, wird aber strenger geprüft, oft mit Abschlag.
-
Eigenkapital. Das Geld, das du selbst mitbringst. Für Ansässige beginnt eine Finanzierung oft bei etwa zwanzig Prozent Eigenkapital plus den Kaufnebenkosten aus Frage 1: rund 8,5 %, plus einer Maklerprovision, wenn eine vereinbart ist. Für Nicht-Ansässige liegt die Latte höher. Plane realistisch mit dreißig bis vierzig Prozent plus Nebenkosten.
-
Schufa. Wer nie eine deutsche Adresse, ein deutsches Konto oder einen deutschen Handyvertrag hatte, hat oft gar keinen Schufa-Eintrag. Nicht schlecht, nicht gut. Leer. Manche Banken verlangen dann eine Bonitätsauskunft aus dem Heimatland.
-
Aufenthaltsstatus. EU-Bürger haben Freizügigkeit, aber die Bank will trotzdem einen überzeugenden Lebensmittelpunkt sehen. Für alle anderen zählen Art und Laufzeit eines deutschen Aufenthaltstitels sehr.
-
Steuerlicher Wohnsitz. Wo du heute Steuern zahlst. Deutsche Banken müssen das nach internationalen Meldepflichten (CRS, FATCA) dokumentieren. Kein Hindernis, aber Papierarbeit, und sie muss sauber sein.
Keiner dieser Punkte entscheidet allein. Zusammen ergeben sie das Bild, das die Bank sieht.
Welche Banken dich anschauen, und die echte Zahl
-
Welche Banken Nicht-Ansässige finanzieren. Nicht viele. Viele Sparkassen und Volksbanken lehnen Nicht-Ansässige grundsätzlich ab. Es bleiben einige überregionale Privatbanken, bestimmte Direktbanken und unabhängige Finanzierungsvermittler, die mit den Häusern arbeiten, die Nicht-Ansässige ernsthaft prüfen.
-
Was ein Finanzierungsberater tut. Ein unabhängiger Berater ist an keine Bank gebunden. Er reicht deine Unterlagen parallel bei mehreren Banken ein, verhandelt und bringt dir ein belastbares Angebot. Für Nicht-Ansässige ist das fast unverzichtbar. Zehn deutsche Banken selbst aus dem Ausland anzufragen, ist kaum machbar. Frag deinen Berater offen, wie er bezahlt wird.
-
Beleihungswert gegen Kaufpreis. Die Bank finanziert nicht gegen den Preis, den du zahlst, sondern gegen ihren eigenen Wert, den Beleihungswert. Er liegt meist unter dem Kaufpreis, oft zehn bis fünfzehn Prozent. Eine Wohnung für 500.000 Euro wird intern vielleicht mit 450.000 bewertet.
-
Die echte Zahl. Kaufpreis 500.000 Euro. Kaufnebenkosten rund 8,5 %, also 42.500, plus eine Maklerprovision, wenn eine vereinbart ist. Beleihungswert 450.000. Finanziert die Bank sechzig Prozent davon, leiht sie 270.000. Was du selbst mitbringst: 500.000 minus 270.000, plus 42.500. Rund 272.500 Euro Eigenkapital, plus Provision. Keine bequeme Zahl am Anfang, aber eine echte.
Für reine Kapitalanlage gibt es einen anderen Weg, bei dem Banken ganz anders rechnen können. Das ist ein Gespräch für einen anderen Tag, und ich führe es gern mit dir.
Was schiefgehen kann, und wie du es verhinderst
-
Der Finanzierungsvorbehalt. Bei einem Kaufangebot oder einer Reservierung ist „vorbehaltlich der Finanzierung“ üblich. Im Kaufvertrag selbst ist die Klausel selten. In meinen 25 Jahren habe ich sie nur eine Handvoll Mal erlebt. Die meisten Verkäufer stimmen einem Notartermin erst zu, wenn deine Finanzierung zugesagt ist. Der echte Schutz ist deshalb einfach: Halte zuerst die endgültige, verbindliche Zusage deiner Bank in der Hand.
-
Das Timing. Unterlagen aus dem Ausland müssen beschafft, übersetzt und beglaubigt werden. Die Bank braucht Wochen. Die Geduld eines Verkäufers ist oft kürzer. Plane die Reihenfolge: Zusage dem Grunde nach, bevor du ernsthaft suchst, endgültige Zusage vor dem Notartermin, Zahlung erst nach der Fälligkeitsmitteilung.
-
Wenn die Bank nach dem Notartermin Nein sagt. Ohne Finanzierungsvorbehalt im Vertrag schuldest du den Kaufpreis, und darüber kann ein deutsches Gericht entscheiden, egal, wo du lebst. Deshalb muss die endgültige Zusage zuerst kommen.
-
Die praktischen Schritte. Hol dir eine Zusage dem Grunde nach, bevor du ernsthaft besichtigst. Bereite deine Unterlagen früh vor und lass sie übersetzen. Bitte deine Bank früh um eine Liste aller Unterlagen, die sie für die Finanzierung braucht. Manche davon kann nur der Verkäufer liefern. Gib diese Liste dem Makler des Verkäufers oder deinem eigenen Käufermakler. Kaufst du direkt vom Verkäufer, gib sie ihm selbst. Arbeite mit einem Berater, der mehrere Banken anfragen kann. Und unterschreib beim Notar erst, wenn die endgültige Zusage deiner Bank vorliegt. Nicht als Hoffnung. Als Bedingung.
Weg B: Du lebst und arbeitest schon in Deutschland
Was sich ändert, wenn dein Leben schon hier ist
Du wohnst in Berlin, arbeitest hier, zahlst hier Steuern. Nur der deutsche Pass fehlt. Für die Bank ist das ein anderes Bild, und oft ein deutlich besseres.
-
Dein Einkommen ist deutsch. Gehaltsabrechnungen eines deutschen Arbeitgebers, in Euro, mit deutscher Lohnsteuer. Die Bank liest es wie das Einkommen eines deutschen Käufers. Kein Abschlag, keine Übersetzungen, keine Währungsfrage.
-
Deine Schufa gibt es, aber sie ist oft dünn. Die Schufa beginnt nicht am Tag deiner Ankunft, sondern mit deinem ersten deutschen Konto oder Vertrag. Zwei Jahre hier heißen zwei Jahre Geschichte. Sauber, aber kurz. Deine Bonität aus der Heimat zählt hier nicht.
-
Dein Aufenthaltstitel rückt in die Mitte. Die Bank verleiht für zwanzig oder dreißig Jahre und will wissen, ob du so lange bleiben darfst.
-
Dein Arbeitsvertrag wird genau gelesen. Ein gutes Gehalt reicht nicht, wenn du noch in der Probezeit bist. Die meisten Banken warten, bis sie vorbei ist. Ein befristeter Vertrag macht es ebenfalls schwerer.
-
Dein Eigenkapital rückt näher an das eines deutschen Käufers. Die 272.500 Euro aus Weg A gelten für dich meist nicht in dieser Form. Deine Finanzierung sieht eher aus wie die eines Einheimischen. Die Kaufnebenkosten aus Frage 1 solltest du trotzdem selbst mitbringen.
Welcher Titel welche Türen öffnet
-
Die Niederlassungserlaubnis. Die breiteste Tür. Sie ist unbefristet, und damit fällt die größte Frage der Bank weg. Mit Niederlassungserlaubnis, deutschem Gehalt und sauberer Schufa siehst du für viele Banken fast aus wie ein deutscher Käufer.
-
Die Blaue Karte. Eine gute Tür, aber mit Ablaufdatum. Die erste Karte gilt höchstens vier Jahre. Ist dein Arbeitsvertrag kürzer, gilt sie für die Vertragsdauer plus sechs Monate. Die Bank schaut genau, wie lange dein Titel noch läuft. Eine kurze Restlaufzeit zählt als Risiko. Das Datum auf deiner Karte kann so viel wiegen wie dein Gehalt.
-
Die befristete Aufenthaltserlaubnis. Die engste Tür. Weniger Banken, mehr Fragen, oft mehr Eigenkapital. Verschlossen ist sie nicht. Genau hier lohnt sich ein Berater am meisten, der weiß, welche Banken befristete Titel überhaupt prüfen.
-
Die Zeitstrategie. Inhaber der Blauen Karte können unter weiteren Voraussetzungen nach 21 Monaten die Niederlassungserlaubnis beantragen, wenn sie Deutsch auf Niveau B1 nachweisen, mit einfachen Deutschkenntnissen auf Niveau A1 nach 27 Monaten. Manchmal ist der klügste Schritt, nicht jetzt zu kaufen, sondern ein paar Monate später, mit der Niederlassungserlaubnis in der Hand. Dieselbe Wohnung, dasselbe Gehalt, mehr offene Türen.
Noch ein Rat: Bau deine Schufa früh auf. Jedes Jahr sauberer Geschichte hilft.
Was schiefgehen kann, und wie du es verhinderst
-
Ein Titel, der mitten im Kauf ausläuft. Zwischen erster Besichtigung und Schlüssel liegen oft Monate. Läuft in dieser Zeit deine Blaue Karte oder befristete Erlaubnis aus, kann die Bank die Zusage anhalten, bis der neue Titel da ist. Prüf das Datum, bevor du suchst, und beantrage die Verlängerung früh, wenn sie in die Kaufphase fallen könnte.
-
Ein Jobwechsel zur falschen Zeit. Ein neuer Job heißt eine neue Probezeit, und viele Banken warten, bis sie vorbei ist. Ein besseres Angebot kurz vor dem Notartermin kann die ganze Finanzierung verschieben. Deshalb frage ich jeden Kunden, nicht nur ausländische, wie lange er schon beim Arbeitgeber ist und ob ein Wechsel ansteht. Nicht aus Neugier. Weil die Antwort über den Zeitpunkt entscheidet.
-
Dein Sicherheitsnetz für Weg B. Deine zwei Risiken sind der Aufenthaltstitel und der Job. Schreib „vorbehaltlich der Finanzierung“ in dein Kaufangebot. Die meisten Verkäufer stimmen einem Notartermin erst zu, wenn deine Finanzierung zugesagt ist. Bitte deine Bank deshalb früh um eine Liste aller Unterlagen, die sie braucht, und gib sie dem Makler des Verkäufers, deinem eigenen Käufermakler oder direkt dem Verkäufer. Dann ist die Zusage rechtzeitig da.
-
Die praktischen Schritte. Prüf die Restlaufzeit deines Titels, bevor du suchst. Kauf nach der Probezeit, nicht mittendrin. Hol dir eine Zusage dem Grunde nach, bevor du ernsthaft besichtigst. Unterschreib beim Notar erst mit der endgültigen Zusage in der Hand.
Zwei Wege, zwei Käufer, ein Gedanke: Die Bank finanziert nicht deinen Pass. Sie finanziert, wie planbar deine Lage ist. Wer seine Daten kennt, steht vor offenen Türen.
Hinweis: Diese Seite erklärt, wie Banken ausländische Käufer allgemein betrachten. Sie ist keine Finanz- oder Rechtsberatung. Im Einzelfall entscheiden deine Bank und dein Finanzierungsberater.